1991

Ich war kurz vor der Meisterprüfung und auf der Suche nach einem kleinen Haus. Einen kleinen Garten sollte es haben, Wohnzimmer, Küche, Kinderzimmer, Schlafzimmer und natürlich ein Bad.

Nach einigen Besichtigungen (ja, das war damals noch möglich, es gab noch zahlreiche Angebote) fiel mein Augenmerk auf ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1928. Altbau. krumme Wände, Decken, scheiß Elektrik und – natürlich ein Badezimmer das die Bezeichnung nicht wirklich verdient hat.

Aber egal. Ich war jung, voller Energie und Tatendrang. Der Preis war schnell verhandelt und damit auch in Ordnung.

Was jetzt kam kann sich jeder ausmalen: Sanierung pur. Und klar war auch, dass ich wachsen würde, an den kommenden Aufgaben und deren Umsetzung. Der ganze Umfang war mir aber nicht bewusst. Eine gewisse Blauäugigkeit ist manchmal von Vorteil. Oder wie formulierte es ein geschätzter Kollege vor kurzem leicht süffisant: „souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ (danke Markus Knöpper)

Für die Elektrik hatte ich natürlich einen Spezialisten. Der Rest war meins. Also ran an die Buletten.

Böden raus, Estriche begradigt, Wände raus, Träger gesetzt Wasserleitungen, Heizung, Bodenbeläge, Anstriche und dekorative Bereiche. Viel gab es damals nicht. Ein bisschen Kalk für´s „Stucco“ in der Essecke eine Lasurtechnik, übrigens up to date in den 80ern und Anfang der 90er, und das war es dann schon. Überschaubar.

Die normalen Wohnräume waren zwar viel Arbeit (neben der Meisterschule) aber technisch kein Problem.

Schwieriger wurde es da wo der normale Maler keinen Bezug hat: Das Bad. Der Anspruch war hoch für damalige Verhältnisse und ich hatte diesen für mich auch klar definiert. Geil, einfach nur geil sollte das Bad werden. Also Jeder der zu Besuch kommt sollte niederknien vor des Meisters Leistung. Und ich war noch gar kein Meister. Aber egal, wer hoch hinaus will muss fliegen lernen und zwar mit dem ersten Flügelschlag. Ohne Internet und der online-Unterstützung der halben Welt – heute kaum mehr vorstellbar.

Der Grundgedanke dabei war: Keine Fliese! Nur Fuge! Warum auch nicht, die Fuge wird gespachtelt und ist wasserfest, also wollte ich die Fliese einfach weglassen (siehe auch meinen Blogbeitrag „das fugenlose Bad“ aus 2015) und so entstand, über eine Idee, und natürlich über „try and error“ vermutlich eines der ersten fugenlosen Bäder in München, Bayern, Deutschland. In jedem Fall aber mein erstes Bad. Funktioniert hat es zwar in der ursprünglichen Form nur ca. 1 Jahr. Dann musste ich die Oberfläche im Duschbereich erneuern. Das Fugenmaterial bekam Risse und an die Abdichtung hatte ich natürlich auch nicht wirklich gedacht. Erfahrung ist eben durch Nichts zu ersetzen! Der zweite Versuch war dann schon deutlich besser. Informationsbeschaffung war zur prädigitalen Zeit noch etwas schwieriger und bis auf ein paar kleiner Tipps aus der Meisterschule („das würde ich nicht machen, das ist keine gute Idee“ usw.) war ich auf mich selbst angewiesen. Also ich verfeinerte das Material nach meinem damaligen Verständnis mit diversen Zuschlägen, verarbeitete bis zur Wasserfestigkeit mehrschichtig und auch an die Abdichtung dachte ich diesmal. Gottseidank war es ja mein Haus und somit musste ich keine Repressalien fürchten.

Diesmal war die Oberfläche auch deutlich feiner, glatter und lies sich dadurch auch besser pflegen. Bis zu meinem nächsten Umzug, das Haus war ja nur 95 m² groß, vergingen 5 Jahre. Die fugenlosen Wände hielten diesmal, auch im Duschbereich. Zu meiner eigenen Sicherheit übergab ich es dem neuen Besitzer mit dem Hinweis das Bad zu renovieren. Ob das geschehen ist weiß ich nicht, interessant wäre es in jedem Fall gewesen.

Vom ersten Bad bis zur professionellen Badrenovierung ohne Fliese war es ein weiter Weg. 25 Jahre ist das nun her. Viele Materialien durfte ich in dieser Zeit testen und verarbeiten. Nicht alle Produkte waren gut, manche sogar ungeeignet oder auch einfach schlecht (trotz der Zusage der Hersteller und Lieferanten). Viele Produkte sind vom Markt verschwunden oder spielen in diesem Bereich keine Rolle mehr. Das Lehrgeld, welches ich in dieser Zeit aufgrund falscher Informationen bezahlt habe will ich erst gar nicht berechnen. Heute, nach all diesen Erfahrungen ist mir jedoch eines klar:

Viele Anbieter, Lieferanten als auch Verarbeiter haben keine Ahnung auf was sie sich im Bereich Feuchtraum/Spritzwasserbereiche einlassen. Viele Produktschulungen (und ich habe sehr viele besucht) sind einfach schlecht. Da verlassen angeblich geschulte Verarbeiter die Workshops und haben keine bis wenig Ahnung über Abdichtung, Fugen, Materialeigenschaften usw. Da wir mittlerweile nicht nur Verarbeiter sondern auch Händler/Lieferant sind versuchen wir die Sache besser zu machen. Unsere Schulungen finden an realen Wänden statt und nicht nur auf Mustertafeln, ab nächstem Jahr werden wir auch einen Workshop für Abdichtung und Fugenaufbau in Badezimmer und Spritzwasserbereiche anbieten. In der Hoffnung dass Alles besser wird und wir einen kleinen Beitrag leisten können.

Der Bereich Badezimmer ist ein schwieriger. Viel Erfahrung ist nötig für eine gute fliesen- und fugenlose Umsetzung, und nur wenige haben diese Erfahrung.

Nach 25 Jahren im Bereich der fugenlosen Oberflächen renovieren wir heute u.a. ca. 25 – 30 fugenlose  Bäder aller Größen pro Jahr. Beinahe jedes Jahr gibt es etwas Neues. Ständig und beständig am Puls der Zeit zu bleiben ist eine stete Aufgabe, aber es macht auch Spaß. Und das ist gut so – unsere Bäder sollen unseren Kunden ja auch Spaß machen.
Gerne hätte ich Bilder von meinem ersten Bad präsentiert. Leider war 1991 aber auch die Fotographie noch nicht digitalisiert. Nach einer Scheidung und den zahlreichen Umzügen der letzten zweieinhalb Jahrzehnte sind die analogen Bilder ins Nirvana abgetaucht. Vielleicht besser so. Mein erstes Bad würde den heutigen optischen Anforderungen sicher nicht gewachsen sein.